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Darius Milhaud: Le pauvre matelot / George Antheil: Venus in Africa

Darius Milhaud

Le pauvre matelot

Complainte en trois actes
Libretto von Jean Cocteau

Österreichische Erstaufführung

George Antheil

Venus in Africa

Opera in One Act
Libretto von Michael Dyne

Aufführungen in französischer bzw. englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere:
Di, 17. Mai 2011 (ausverkauft)

Weitere Vorstellungen:
19., 21., 24., 26., 28., 31. Mai 2011
2., 4., 7., 9., 11. Juni 2011

Beginn: 19.30 Uhr

Karten

 

Im Paris der 20er Jahre in aller Munde, heute etwas in Vergessenheit geraten: der Franzose Darius Milhaud (1892–1974) und der Amerikaner George Antheil (1900–1959). Durch die Einbindung populärer Musik, alltäglicher Klangmittel und Jazzelemente gaben sie dem Theater ihrer Zeit entscheidende Impulse.
Während die Moritat „Le pauvre matelot“ auf äußerste Konzentration der Klangmittel und auf eine Minimalisierung des Stoffes abzielt, setzt der bizarre Einakter „Venus in Africa“ auf einen übermütig-kreativen Umgang mit den Traditionen des musikalischen Theaters.

Musikalische Leitung: Daniel Hoyem-Cavazza
Inszenierung: Giorgio Madia
Ausstattung: Cordelia Matthes

Beau-Père: Mentu Nubia
Femme: Diana Higbee
L’Ami: Andreas Jankowitsch
Le matelot: Pablo Cameselle

Yvonne: Diana Higbee
Charles: Andreas Jankowitsch
The Innkeeper: Mentu Nubia
Venus: Nazanin Ezazi
The Peddler: Pablo Cameselle

Kammerensemble der Wiener Kammeroper

Künstler-Biographien

Notizen zur Aufführung

Le pauvre matelot“ und „Venus in Africa“ – das sind zwei bemerkenswerte, ganz unterschiedliche kleine Opern, die eine entscheidende Gemeinsamkeit haben: Beide kreisen um einen faszinierenden Mythos, der jeweils das Unfassliche in sich trägt. Mit der Figur des Matrosen in „Le pauvre matelot“ sind sinnliches Begehren und materielle Bescheidenheit verbunden. Aber sein ungebundenes Leben auf hoher See macht ihn zur unverwechselbaren Symbolfigur, denn seine eigene, einzig wahre Liebe gehört dem Wandel und der fortwährenden Bewegung. Auch die Göttin der Liebe und Schönheit, „Venus in Africa“, bleibt in ihrem Wesenskern ungreifbar. Um sich von der lustvollen Last zu befreien, Venus ausweglos verfallen zu sein, ist es nötig, ihre Unnahbarkeit anzuerkennen.

Den Mythos vom „armen Matrosen“ hat Jean Cocteau zwar nicht neu erfunden, aber zu neuem Leben erweckt. In seiner raffinierten Interpretation spiegelt sich nicht nur der Zeitgeist der Zwanzigerjahre, sondern vor allem seine persönliche Handschrift, die Assoziationen und Bilder in mir auslöst. Ohne Grenzen zu beachten, hat er seine Ästhetik in vielen Bereichen entfaltet, und dabei die Mittel des einen Genres auf die Gestaltung eines anderen angewendet. Auch George Antheil hielt sich kaum an die Grenzen der rein musikalischen Arbeit, zeitlebens hatte er einen Bezug zum Film. Es ist, als liege seiner Musik ein visuelles Denken zugrunde, das eindeutige szenische Vorgaben macht und seinerseits filmische Bilder in mir weckt. Aus diesen Welten lässt sich die Inspiration für das Kreieren einer gewissen visuellen Atmosphäre schöpfen, die das schillernde Geheimnis um das Nicht-Greifbar-Sein ins Zentrum rückt, als ein faszinierendes Wechselspiel von Wahrheit und Illusion, in das die Beziehungen der Figuren hineingezogen werden.

Giorgio Madia