Geschichte
Gegenwart und Zukunft / Künstlerisches Konzept
Gespielte Werke seit der Spielzeit 2000/01
Die Wiener Kammeroper wurde 1953 von Hans Gabor (1924–1994) gegründet. Bereits 1948 initiiert der aus Ungarn stammende Dirigent das Wiener Opern Studio, ein reines Gastspielensemble. In Anlehnung an die Begriffe Kammerspiele und Kammermusik entsteht der Name „Wiener Kammeroper“.
Zunächst mietet man sich im Mozartsaal des Konzerthauses ein, ab 1954 wird während der Sommermonate im Schlosstheater Schönbrunn, in den Wiener Außenbezirken für die „Wiener Arbeiterkammer" und im Wiener Konzerthaus für das „Theater der Jugend" gespielt. Gepflegt wird neben der Opera buffa und der klassischen Wiener Operette die Moderne, etwa Boris Blachers „Flut“ (1956) und Raritäten wie Alessandro Scarlattis „Sieg der Ehre“ (1956).
Im Jahre 1961 wird der Traum von einem eigenen Haus Realität und das Unterrichtsministerium sowie die Stadt Wien gewähren der Wiener Kammeroper erstmals eine Jahressubvention. Ein ehemaliger Tanzsaal am Fleischmarkt 24, in dem schon früher Theater gespielt wurde, wird für Opernzwecke adaptiert und im Januar 1961 mit den Einaktern „Die Heirat“ von Martinu, „Der Spieler“ von Orlandini und Monteverdis „Klage der Ariadne“ in der Fassung von Carl Orff eröffnet. Unter den zahlreichen künstlerischen Höhepunkten der Vergangenheit sei George Taboris Inszenierung von Leoncavallos „Bajazzo" hervorgehoben (1986), eine legendäre Aufführung, die im Jahr darauf zu den Berliner Festwochen geladen wird.
Anfang der 80er Jahre zieht sich Hans Gabor vom Dirigentenpult zurück, um sich fortan ausschließlich der künstlerischen Leitung, dem Management seines Hauses, zu widmen. Und nicht zuletzt um den internationalen Belvedere-Gesangswettbewerb ins Leben zu rufen (1982). Heute trägt dieser Wettbewerb seinen Namen und ist als "Wallstreet der Kehle" die wohl größte Sängerbörse der Erde.
Mit der Einführung der Reihe „Studio K“ (1983) wird der Moderne eine zusätzliche Plattform gegeben, Kammeropern von Tom Johnson, Peter Maxwell Davies, Luciano Chailly, Philip Glass oder Hans Werner Henze werden erstmals in Wien präsentiert. Und wieder ist es George Tabori, der in diesem Rahmen mit Viktor Ullmanns erschütternder KZ-Oper „Der Tod dankt ab“ eine beispielhafte und auch im Ausland gefeierte Aufführung beisteuert.
Im Bestreben junges Publikum anzusprechen, werden klassische Werke wie „La Bohème“ oder „Carmen“ in die musikalischen Sprache der Rockmusik übersetzt und zum Tagesgespräch nicht nur in Wien.
Ein neues Kapitel schlägt die Wiener Kammeroper 1992 mit dem Open-Air-Festival „Mozart in Schönbrunn“ vor der Römischen Ruine im Schlosspark von Schönbrunn auf. Allerdings muss 1999 die Bespielung dieser einzigartigen Open-Air-Bühne aus denkmalschützerischen Gründen eingestellt werden.
Unerwartet stirbt am 4. September 1994 Hans Gabor. Es folgen als Intendanten unter anderem Rudolf Berger (1995–1997).
In der Spielzeit 1999/2000 übernehmen Isabella Gabor und Holger Bleck die Leitung des Hauses. Die Förderung des Sängernachwuchses mit dem Internationalen Hans Gabor Belvedere Gesangswettbewerb und die Opernproduktionen im Haus am Fleischmarkt sind weiterhin die wesentlichen Standbeine der Wiener Kammeroper.
Kunst im Sinne von Geschichten erzählen, Musiktheater, das uns heute berührt, uns glücklich macht, uns aufregt, über das wir diskutieren, die Förderung des musikalischen Nachwuchses und nicht zuletzt ein aufmerksames Publikum. Das und vieles mehr ist es, was die Wiener Kammeroper ausmacht – und das alles verbunden mit einem einzigartigen, unverwechselbaren Konzept in der österreichischen und Wiener Musiktheaterlandschaft.
Denn auf dem Spielplan der Wiener Kammeroper stehen ausschließlich Raritäten und/oder österreichische Erstaufführungen aus Barockoper, Opera buffa, Kammer-Musical und zeitgenössischem Musiktheater, die weder zum Repertoire der großen Häuser zählen noch im Umfeld der freien Gruppen produziert werden, die aber dennoch allein durch ihre Qualität überzeugen.
Eröffnet wird die aktuelle Spielzeit mit einem psychologischen Kammerspiel von Joseph Haydn: "L'isola disabitata", mit dem wir unseren Haydn-Zyklus fortsetzen. „Musiktheater heute“ steht diesmal im Zeichen des britischen Komponisten Harrison Birtwistle. In seiner „Io Passion“ hat er vielleicht am eindruckvollsten verwirklicht, was ihm immer schon sein schöpferisches Anliegen gewesen war: die mythische Durchdringung der heutigen Welt. Unter dem Motto „Unerhört Neu Gehört“ rufen wir Ihnen wieder große Meisterwerke in Erinnerung, die zu Unrecht noch keinen Platz im Standardrepertoire gefunden haben: „Le pauvre matelot" von Darius Milhaud und „Venus in Africa" von George Antheil. Beide Komponisten waren in Paris der 20er Jahre in aller Munde.
| 2000/01 | „Köchelverzeichnis 2001 - Mozart
gegen Salieri“, ein fantastisches Singspiel mit Musik von W.A. Mozart und Antonio Salieri |
Operette „Die gold’ne Meisterin“ von Edmund Eysler |
Musikalische
Farce „Il cappello di paglia di Firenze“ von Nino Rota |
Alt-Wiener Singspiel „Ewig schad’ um uns – Raimund, Nestroy und die Wiener“ von Johann Nestroy und Ferdinand Raimund |
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| Neues Programmierungs-Konzept: Raritäten, Stilvielfalt, Programmsäulen | ||||
| „Barockoper“ | „Kammer Musical“ | „Opera buffa“ | „Zeitgenössisches Musiktheater“ | |
| 2001/02 | Österreichische Erstaufführung „Euridice“ von Jacopo Peri |
— | Österreichische
Erstaufführung „El Barberillo de Lavapies“ von F. A. Barbieri (Zarzuela) –––––––––––– „Il barbiere di Siviglia“ von Gioacchino Rossini |
„The old maid and the thief“ und
„The medium“ von Gian Carlo Menotti –––––––––––– Österreichische Erstaufführung „Tartuffe“ von Kirke Mechem |
| 2002/03 | Österreichische
Erstaufführung „Gli amori d’Apollo e di Dafne“ von Francesco Cavalli |
Österreichische Erstaufführung „The Cole Porter Story“ mit Musik von Cole Porter |
Österreichische
Erstaufführung „Zaide“ von W.A. Mozart, Textversion von Italo Calvino |
Österreichische Erstaufführung „A water bird talk“ von Dominick Argento und „The bear“ von William Walton |
| 2003/04 | Barockfestival „Ballo.mortale“ von Claudio Monteverdi ––––––––––––– „Euridice“ von Jacopo Peri ––––––––––––– „Gli amori d’Apollo e di Dafne“ von Francesco Cavalli |
„Company“ von Stephen Sondheim |
„L’infedeltà
delusa“ von Joseph Haydn |
Österreichische
Erstaufführung in deutscher Sprache „Mr. Emmet takes a walk“ von P. Maxwell Davies und Österreichische Erstaufführung in deutscher Sprache „Zora D.“ von Isidora Zebeljan |
| 2004/05 | Österreichische
Erstaufführung „Venus & Adonis“ von John Blow |
Europäische
Erstaufführung „Avenue X“, A cappella Musical von Ray Leslee |
„La
finta giardiniera“ von W.A.Mozart –––––––––– „Rita“ von Gaetano Donizetti |
Österreichische Erstaufführung „Moskau, Moskau“ von Dmitri Schostakowitsch |
| 2005/06 | „The Beggar’s Opera“ von John Gay |
„Ain’t
Misbehavin’“ von Fats Waller |
Uraufführung „Zauberflöte-gekürzt“ von Mozart/ Liebhart/Barylli; Idee von H. Bleck |
Österreichische Erstaufführung „L’oca del Cairo“ von Stephen Oliver und W.A. Mozart |
| 2006/07 | „Agrippina“ von Georg F. Händel |
Uraufführung „A Good Man“ von Ray Leslee |
Österreichische Erstaufführung „I due timidi“ von Nino Rota |
Uraufführung der
Bühnenversion „When she died“ von Jonathan Dove und „Eight songs for a Mad King“ von P. Maxwell Davies |
| „Barockoper“ | „Kammer Musical“ | „Unerhört Neu Gehört“ | „Musiktheater Heute“ | |
| 2007/08 | — | Österreichische Erstaufführung „The last five years“ von Jason Robert Brown |
Österreichische Erstaufführung der Kammerorchester-Fassung „Das schlaue Füchslein“ von Leoš Janáček / Jonathan Dove |
Österreichische Erstaufführung der Kammerorchester-Fassung in Originalsprache „Blond Eckbert“ von Judith Weir |
| „Barockoper“ | „Kammer Musical“ | „Unerhört Neu Gehört“ | „Eine Rarität zum Haydn-Jahr 2009“ | |
| 2008/09 | Österreichische Erstaufführung „La Guirlande“ von Jean-Philippe Rameau Szenische Uraufführung „Zéphyre” von Jean-Philippe Rameau |
— | Österreichische Erstaufführung „Owen Wingrave“ von Benjamin Britten |
„Le pescatrici“ – „Die Fischerinnen“ von Joseph Haydn |
| „Barockoper“ | „Opéra-bouffe" | „Unerhört Neu Gehört“ | „Musiktheater Heute“ | |
| 2009/10 | „Il Nascimento dell’ Aurora“ von Tomaso Albinoni |
„L’ île de Tulipatan“ & „Ba-ta-clan“ von Jaccques Offenbach. |
— | „Die Gespenstersonate“ von Aribert Reimann |
| „Barockoper“ | „Haydn-Zyklus" | „Unerhört Neu Gehört“ | „Musiktheater Heute“ | |
| 2010/11 | — | „L' isola disabitata“ von Joseph Haydn |
„Le pauvre matelot“ von Darius Milhaud Österreichische Erstaufführung: „Venus in Africa“ von George Antheil |
„The Io Passion“ von Harrison Birtwistle |